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Release: Sep. 2006
Artist: HARALD BLÜCHEL
Title: Die Toteninsel
Format: CD
Label: Time Out Of Mind
 
     
 
Tracklisting  
1.Satz:     Gegenwart
      Jahrhundertwende
      Güterzug
2.Satz:     Ultrachronos
      E-Dur, Donnerstag
3.Satz:     Kopf gegen Wand
      Baisse
      Der Erste Schnee
      Entropie
      Seance
      Gegenwart plus 1

 

 
Mehr Hintergrund-Infos gibt es hier...



 
 
Audiofile 1: Exzerpt aus dem 1. Satz („Gegenwart“, 1:23-4:19) [MP3] [RA]
Audiofile 2: Exzerpt aus dem 2. Satz („Ultrachronos“, 0:00-2:44) [MP3] [RA]
Audiofile 3: Exzerpt aus dem 3. Satz („Entropie“ 7:49-12:18) [MP3] [RA]

Die Sound-Beispiele benötigen entweder einen MP3- oder den RealPlayer (www.real.com), zum Anhören (korrekte Einbindung im Browser vorrausgesetzt) jeweils auf den "[MP3]" oder den "[RA]"-Link hinter dem Titel klicken.

 
 


Reviews

HARALD BLÜCHEL − eine schillernde Persönlichkeit. Hier einige wesentliche Fakten: Geboren 1963 in Nürnberg, Hochbegabtenstipendium (das hat er mit mir gemein ;-), Hörspielproduktionen, Teilnehmer an der ersten Love Parade, 1991 das Auftauchen seines Alter Egos COSMIC BABY, Riesenerfolge unter diesem Künstlernamen (der „Messias des Techno“, 1999 letzter internationaler CB-Live Auftritt vor 10000 Besuchern in Tampa, Auslandsaufenthalte, 2004 VÖ einer Zusammenarbeit mit SCHILLERs van Deylen („Bi Polar“). Und das ist nur eine ganz kurze Rundreise durch die Vita des Deutschen, den ich bislang zugegebenermaßen nicht so im Fokus hatte. Warum jetzt also HARALD BLÜCHEL im Terrorverlag? Weil er mit seiner neuesten Produktion andere Wege geht, die ihn äußerst interessant für elektronische Avantgarde Hörer macht. Seine ursprüngliche Intention: Weg von den billigen in wenigen Stunden erstellen Tracks, hin zu persönlicheren/ intensiveren Klängen. „Zerlegung des grossen Gestus in seine komplizierteren Einzelteile. Der grosse Wunsch, irgendwann an den Punkt zu kommen, an dem die Zusammensetzung der Einzelteile ein komplexeres Ganzes darzustellen vermag.“ Dieses durchaus intellektuelle Zitat könnte ebenso von MARTIN STEINEBACH oder diversen Cold Meat Künstlern stammen, und so weit entfernt ist der klangliche Output dann auch nicht. „Die Toteninsel“stellt dabei den ersten Teil der sogenannten „Zauberberg-Trilogie“dar, über deren Hintergründe das auskunftsreiche Booklet detailliert informiert. Der Titel „Die Toteninsel“nimmt wiederum Bezug auf ein berühmtes Gemälde. Hierzu ebenfalls ein paar erhellende Sätze aus Sekundärquellen: „Der Schweizer Maler Arnold Böcklin (1827-1901) erhielt 1880 von einer jungen Witwe den Auftrag für „ein Bild zum Träumen“ Seiner Auftraggeberin schrieb Böcklin in einem Brief im gleichen Jahr, „das Bild müsse so still werden, das man erschrickt, wenn an die Tür gepocht wird“ Die erste Version des Bildes hieß dementsprechend „Stille“ die vier folgenden Versionen erhielten den Titel „Die Toteninsel“. Mithin also ein eher melancholisch depressives Thema, wie ist das ganze nun musikalisch illustriert worden? Zunächst als 51 minütiges Hörstück in abgegrenzten Unterparts. 1. Satz: Die „Gegenwart“vertraut auf Ambient-Klänge, wie man sie von entsprechenden Genrekünstlern kennt, während die „Jahrhundertwende“auf Streicher-artige weiträumige Melodiebögen und Flächen setzt. Der „Güterzug“− ganz seinem Namen verpflichtet − bietet uns den Lärm der industriellen Revolution in all ihren Facetten an, dazwischen ein paar Sprachfetzen. Homogen ist anders, aber man muss hier auch den experimentellen Charakter der 1999 bis 2001 entstandenen Kompositionen miteinbeziehen. Blüchel ist hier noch ein Suchender, der sich fasziniert von neuen Klangwelten an unterschiedlichsten Ausdrucksformen versucht. 2. Satz: SCHILLER-Fragmente bei „Ultrachronos“ ein Piano-Zwischenspiel bei „E-Dur, Donnerstag“ 3. Satz: „Kopf gegen die Wand“ Leichte Industrialanklänge illustrieren diesen nicht gesundheitsfördernden Vorgang. „Baisse− Sprache im Sinkflug mit Harfen-Erlösung. „Der erste Schnee“ Perlende Soundflocken im 80er Gewand (FALTERMEYER lässt grüßen). „Entropie“ sowie „Seance“ Typische SCHILLER-Sequenzen, die ersten „richtigen“Songs des Silberlings inklusive Percussion - sehr gefällig. Zum Abschluss die „Gegenwart plus 1“(also die Zukunft?!)... die düstere Klammer zum Beginn, die Stille erreicht den Raum und der Reisende die Toteninsel. Sicher ein ambitioniertes Werk, zu dem nicht alle Zugang haben werden, zu heterogen sind die elektronischen Landschaften ausgefallen. Wenn man aber die Prämisse der experimentellen Klangcollage in Verbindung mit dem Motiv des stillen Gemäldes akzeptiert, kann ein erstaunlich interessantes „Kopf“ino in Gang gesetzt werden, am besten ungestört unter dem „Kopf“örer. Für Freunde von Ambient bis hin zu sphärischem Noise eine spannende Entdeckung, alle anderen werden eher zu den just erschienenen Neuauflagen des COSMIC BABY-Back Katalogs greifen...

Karsten Thurau, Terrorverlag (26.09.2006)

Für Hedonisten, die Harald „Cosmic Baby“ Blüchel mit seinen legendären Tech-Trance- Produktionen oder seiner Zusammenarbeit mit Schillers Christopher von Deylen assoziieren, ist sein erster Solo-Release seit 1999 eine kalte Dusche − und das nicht wegen des nassen Elements auf dem Cover, eine Variation von Arnold Böcklins Gemälde „Die Toteninsel“ (1880 - 83). Mit dem in drei „Sätze“ gegliederten elektronischen Hörstück − eine vage dem Dark- Ambient-Genre zuzurechnende Komposition, deren philosophischen/kunsthistorischen Background Blüchel im Booklet erläutert − kehrt der nun auch schon 40-Jährige in gewisser Hinsicht zu seinen Anfängen als studierter Tonschöpfer und Klassik-fan zurück. Kein Beat hier, der Raver-Bedürfnisse bedient; es ffließt ein breiter Strom aus dunklen Klangflächen, spätromantischen Piano-Motiven und mysteriösen Vokal-samples. Uneasy-Listening-Freunde kommen auf ihre Kosten.

Albrecht Piltz, Keys 12/2006

So düster der Titel auch klingen mag, so angenehm ist die Hörerfahrung. Was sich auf „Stunde Null“ (1996) bereits andeutete, formuliert der vormals als Cosmic Baby bekannte und in letzter Zeit mit Christopher von Deylen (Schiller) kooperierende Musiker endlich zuende. Er nähert sich aus den fest gefügten Strukturen von Beat einem formal freien Konzept von Klang, einem „Hörstück“, wie er es nennt. In den drei durchschnittlich 17minütigen Movements erschafft er ein wortloses Hörspiel, welches sich zwischen „Ambient“ von Brian Eno, dem „Chill Out“ von KLF und dem „Waiting for Cousteau“ von Jean Michel Jarre bewegt, und dann einfach einen Schritt weiter geht. Musik für die Gegenwart ±1

Frank Hilpert, Freshguide 12/06

Ein Brocken. Noch dazu ein großer. Naheliegend, dass das nicht leichtverdaulich ist. Wer von Harald Blüchel nur seine Trancemeilensteine als Cosmic Baby oder Energy 52 kennt, wird überrascht sein ob der sehr minimalen Hörstückkompositionen auf dieser Trilogie. Es geht in Bezugnahme auf Thomas Manns berühmten Roman „Der Zauberberg“ um Entfremdung und den daraus neugewonnenen Blickwinkel auf eine Welt, in der man nicht mehr involviert ist. Blüchels erster Teil greift das Motiv der „Toteninsel“ auf, einer berühmten Gemäldeserie von Arnold Böcklin und versucht eine flächige Umsetzung in elektronische Musik. Bis zu zwanzigminütige soundtrackhafte Stücke entfalten schleichend ihre Wirkung. Der unheilschwangere erste Satz (Termini der klassischen Musik sind hier durchaus sinnvoll) enthält einige Zitate aus den Ausschwitzprozessen. Wie gesagt, nicht gerade Easy Listening. Zweiter und dritter Satz sind wesentlich freundlicher, aber immer noch entrückte Musik, die Deinen Kopf fordert.

Hauke Schlichting, Raveline 2/07

 

 
 

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